Holzgefeuertes Steinzeug

Blick durch die Feuerbank in den Freifeuerofen

 

Text Dr. Klaus- Dieter Wintermann, Philosoph und Direktor Schloss Weesenstein 1999

in der Galerie "Wolfsschlucht" der Sparkasse Kassel 1998

 

"Gerald Schädlich ist ein Töpfer und Künstler der seltenen Art und lebt im hintersten Winkel der Sächsischen Schweiz, in Hinterhermsdorf.

Er bevorzugt eine sehr aufwendige mittelalterliche Brenntechnik und fertigt Holzgefeuertes Steinzeug.

Bei diesem Verfahren fährt die offene, mit Holzasche angereicherte Flamme zwischen den im großen Brennraum gelagerten Gefäßen und Plastiken hindurch. 1,5 Tage werden die aus sächsischem Ton gedrehten, ursprünglich hellen Rohlinge höchsten Temperaturen ausgesetzt. 7 m³ Holz werden hierfür verbraucht, allein für die letzten 6 Stunden, in denen unbedingt 1340 °C erreicht und gehalten werden müssen, die Hälfte mit Hartholz. Erst nach dreitägiger Abkühlung zeigt sich das Ergebnis des aufwendigen Tuns, wird offenbar, ob das Feuer gehärtet und gestaltet, aber nicht zerstört hat.

Erwünscht sind unregelmäßige Spuren der sich überschlagenden Glutstürme, und am Erzeugnis durch die eingebrannte Holzasche erlesen schimmernde, jedoch bewegte Oberflächen, in ihrem Ausdruck nicht planbar.

Auf alle Effekt haschenden Hilfsmittel wie Oberflächenglasuren oder Salze wird bewusst verzichtet- ein keramisches Reinheitsgebot. Jedes Stück ist ein Unikat!"

 

                                                                                    Steinzeug, mit reinem Holzascheanflug ohne Salzzugabe, 1360 °C

 

Text Prof. Dr. Heinz Spielmann, Hamburg

 „8 Wandlungen- Retrospektive über Steinzeuggefäße, Plastiken und freie Räume

in der Galerie im Geburtshaus von Ernst Rietschel, Pulsnitz 2010

 

FEUER VERBINDET-  zu den Arbeiten von Gerald Schädlich

"Gegenseitige Anregungen zwischen dem Westen und dem Fernen Osten zählen im Bereich der Keramik seit der Erfindung des europäischen Porzellans und der Japan-Begeisterung des Jugendstils, seit den Exporten chinesischen und japanischen Porzellans, nicht zuletzt seit der Öffnung Japans zum Westen hin fast zur Selbstverständlichkeit. Ähnlichkeiten, wechselseitige Befruchtung und Paralellen resultieren aber nicht nur aus historischen Prozessen, sondern ebenso aus den Bedingungen des Handwerks, in  der Keramik vor allem aus dem Umgang mit Erde und Feuer…

In Japan gelten einige der ältesten Keramik-Orte als früheste Zeugnisse einer elementaren Töpferkunst, die Öfen von Bizen, Tamba und Shigaraki. In ihnen werden unglasierte Gefäße so lange bei hohen Temperaturen gebrannt, bis Feuer und Aschenflug ihnen einen unverwechselbaren Charakter geben. Rheinische und sächsische Bodenfunde mittelalterlicher Steinzeug-Keramik gleichen ihnen nicht selten auf überraschende Weise in Farbe, Zeichnung und Struktur der Oberfläche. Kein Wunder - hier wie dort dominieren die Kraft des Feuers und die Beherrschung der Brandtechnik. Sie verbinden, unbeschadet verschiedener Traditionen, die Töpfer in Ost und West.

Gerald Schädlich hat vor seiner Ausbildung als Töpfer archäologische Keramikfunde bei Grabungen kennen gelernt; sie bestimmten seine Intention, als er sich 1984, mit 24 Jahren, professionell der Keramik zuwandte; er wählte, um Handwerk und Technik beherrschen zu lernen, keine Schulen und Institute, sondern kleine Werkstätten. Sie führten ihn nach seiner Überzeugung besser zu den von ihm erwünschten Ergebnissen als das Studium moderner Technologie. Er wollte brauchbare Gefäße machen, die auf ursprüngliche Weise Natur und Mensch miteinander verbanden, war weniger durch aesthetische Vorgaben als durch ein ontologisches Verständnis seines Handwerks bestimmt.

Allen Schwierigkeiten zum Trotz richtete er sich 1988 auf dem Areal eines Umgebindehauses in der  Hinteren Sächsischen Schweiz, in Hinterhermsdorf, eine Werkstatt ein, baute sich zusammen mit einem 70-jährigen Maurermeister einen Steinzeugofen aus Schamottesteinen, den er an einen 15 Meter hohen Schornstein anschloss. 1990 erhielt er die Genehmigung, darin zu brennen. Die Steinzeuggefässe, die aus diesem mit ausschließlich Holz gebrannten Ofen kommen, besitzen einfache stereometrische Formen.

Man möchte angesichts dieser Gefässe glauben, dass man die Erfindung des Holzofenbrandes noch einmal miterlebe...

Würde Gerald Schädlich sich mit solchen Ergebnissen begnügen, könnte er leicht zum weltfremden Waldschrat werden. Er ist dieser Gefahr nie erlegen.

Seit 1994 - also nur vier Jahre nach dem Arbeitsbeginn mit dem Ofen in Hinterhermsdorf - wandte er sich mit gleicher Intensität wie zuvor und weiterhin neben dem Gefäß nun der  keramischen Plastik in großem Format zu, die er aus Ziegelsteinen mauerte. In Symposien trieb er die Arbeit daran in gemeinsamen Symposien mit anderen Keramik-Künstlern voran. Er wirkte aktiv an Kunstschulen mit, engagierte sich bei Restaurierungsaufgaben, stellte auf Messen aus und wählte bei Projekten der letzten Jahre zeitkritische Themen.

Keramik gilt ihm also nicht als ein retrospektives Handwerk, sondern als ein Métier im Dienst der Gesellschaft. Mit der  Ausstellung an einem traditionsreichen  Ort, im Pulsnitzer Geburtshaus des Bildhauers Ernst Rietschel, präsentiert er zu seinem 50.Geburtstag und zum 20-jährigen Bestehen seiner Werkstatt eine Retrospektiv-Ausstellung als Demonstration des Erstrebten und Erreichten im Ausblick auf seine weiteren Pläne."

reiner Holzascheanflug ohne Salzzugabe, 1360 °C

Detailansicht einer Vase

Kurs "Formung- Verformung- Keramischer Brand" HfBK

 

Alle Keramiken sind natürlich seit 1994 gestempelt und werden mit einer kurzen Beschreibung der Technik mit Qualitätssiegel auch als Geschenk auf Wunsch versehen. Ein ästhetisch, handwerklich und ökologischer Anspruch, der nicht in diese Zeit passt- oder gerade? es gibt eine kleine Chance durch kulturelle Bildung oder noch vorhandener Intuition und natürlich Anstand, einen angemessenen Wert zu begleichen.